Dirk Eckart - Mein Blog zum Thema Gerüstbau / 21. November 2017

Kritik – der schmerzhafte Stich ins Ego

Tacitus schrieb vor 2000 Jahren: „Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, dass sie verdient war.“ Doch gilt dieser Satz noch unverändert in Zeiten der sozialen Medien, wo Kritiker in der Anonymität unangreifbar sind? Und wie sollte ich mit Kritik umgehen, die nahestehende Menschen an meiner Arbeit, meinem Benehmen oder meinem Aussehen üben? Lassen Sie mich im Rahmen der Blogparade meine Sichtweise erklären.

Zwischen Lästern und Kritik

Kritik kann nur üben, wer mit der kritisierten Materie vertraut ist. Ein schreiender Fußballfan an der Seitenlinie kennt nicht den Fitness-Zustand der Spieler oder die Strategie des Trainers. Seine Zwischenrufe sind fern von ernsthafter Kritik. Ebenso wenig akzeptiere ich verbale Angriffe aus der Anonymität des Internets.

Erhalte ich Kritik von Freunden, der Familie oder meinen Angestellten, höre ich gern genauer hin. Oft steckt in ihr ein Stück Wahrheit, die ich nur allzu gerne aus meinem Bewusstsein verdrängt habe. So unangenehm wie sie ist, so hilfreich kann diese Kritik sein.

Kritik an meiner Arbeit

Auf meine Arbeit bin ich stolz. Kritik an meiner Arbeit trifft mich daher persönlich. Doch muss ich diesen persönlichen Aspekt hier verdrängen, schließlich geht es um das einwandfreie Funktionieren der Firma. Schimpfende Mitarbeiter geben mir wichtige Einblicke in die Situation am Arbeitsplatz. Bieten Arbeiter Lösungsvorschläge an, liegt ihnen etwas an der Beseitigung des Problems. Hier lohnt genaueres Nachfragen.

Beständiges Nörgeln ohne Argumente hingegen zeigt mir, dass sich ein Mitarbeiter bei uns unwohl fühlt. Hier muss ich schnell herausfinden, wo etwaige persönliche Probleme liegen, oder ob es zwischenmenschliche Schwierigkeiten unter den Angestellten gibt. Gehe ich die Situation zügig an, verhindere ich, dass sich eine schlechte Stimmung weiter verbreitet.

Kritik an meinem Benehmen

Mein Benehmen sollte Vorbildcharakter haben. Doch manchmal wird mir vorgeworfen, dass ich ohne Schutzschuhe eine Baustelle betrete, Mitarbeiter ohne Handschlag begrüße oder ein Telefongespräch zu abrupt beende. Diese Art der Kritik zeigt mir, dass mein soziales Umfeld andere Handlungsnormen von mir erwartet.

Hier muss ich schauen, ob ich mein Verhalten ändern sollte. Menschen sind verschieden und jeder einzelne mag unterschiedliche Erwartungen an den sozialen Umgang haben. Für ein positives Miteinander sollte ich mein Umfeld weniger behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte, sondern wie die Menschen um mich herum behandelt werden möchten. Ein Händedruck, ein Schulterklopfen oder eine verbale Anerkennung bewirken Wunder.

Kritik am eigenen Aussehen

Zielt Kritik auf meine Eitelkeit ab, ist das besonders schmerzhaft. Vorwürfe ich sei zu dick, meine Haare zu lang oder mein Hemd zerknittert, stammen meist von Freunden oder Familienangehörigen. Diese Personen kennen mich seit Langem und haben kein Interesse daran, mich zu verletzen.

Solche Kritik nehme ich immer ernst. Ein kurzer Blick in den Spiegel bestätigte mir, dass meine Tochter recht hatte, als sie mich am Wochenende zum Frisör schickte. Nach zwei Wochen Abwesenheit sah sie mein Erscheinungsbild mit frischen Augen, an das ich mich schon gewöhnt hatte. Ein kurzer Anruf beim Frisör ist schnell erledigt, ein Hemd zügig gebügelt.

Insgesamt versuche ich sämtlicher Kritik rasch ihre Grundlage zu entziehen. Bei meinem Äußeren ist es meist einfach möglich. An meinem Verhalten muss ich etwas länger Arbeiten, um erwartetes Verhalten zu praktizieren. Nur die Kritik an der Arbeit stellt immer wieder neue Herausforderungen dar, doch genau dafür schätze ich sie. Die Auseinandersetzung mit Kritik verschafft mir wertvolle Einblicke.

Dirk Eckart