Allgemein / 18. Mai 2018

Von Traummotorrädern und Motorradträumen

Von Traummotorrädern und Motorradträumen

Die Erinnerung an meine erste TS 150 der Motorradwerke Zschopau ist heute noch so lebendig, wie am ersten Tag. Sie hatte eine gesteppte Sitzbank, verchromte Schutzbleche und einen Seitengepäckträger. Auf ihr habe ich lange Fahrten durch die schönsten Landschaften Sachsens unternommen und dabei meine wunderbare Ehefrau Ulrike kennen und lieben gelernt. Doch mit wachsender Familie schien der Traum auf zwei Rädern vorbei.

Liebe zum ersten Motorrad

Stolze 650 Mark hat meine erste MZ TS gekostet, so viel wie manch ein Arbeiter damals im ganzen Monat verdiente. Zu Hause war so viel Geld nicht übrig, denn meine Eltern hatten neben mir noch meine drei Geschwister zu versorgen.

Mit 17 Jahren habe ich daher auf meine letzten Schulferien verzichtet und stattdessen hart gearbeitet. Das Gefühl der Freiheit auf zwei Rädern ließ die aufgewendete Mühe schnell klein erscheinen. Mit Ulrike fuhr ich strahlend durch das Land und in den Urlaub nach Lübbenau.

Höher, schneller, weiter bis zum Fall

Meine Begeisterung sprach sich herum und ich erhielt eine gut ausgebaute MZ TS 250 angeboten. Motor und Getriebe des Luxusmodells waren frisch überholt, daher habe ich nicht lange gezögert und zugegriffen. Mit einem Scheinwerfer vom ZT 300 Zugtraktor, einem Tank der AWO Sport Maschine und einer Effekt-Lackierung habe ich die Maschine weiter personalisiert.

Im Frühjahr 1986 fuhr ich mit Ulrike auf der Autobahn in Richtung Eisleben, als bei 110 Kilometern pro Stunde der hintere Reifen platzte. Als ob im April plötzlich Glatteis ausbrach, die Maschine war nicht mehr zu halten. Ulrike schleuderte es vom Bock, ich lag unter dem Lenker eingeklemmt und der Bremshebel war durch meinen Helm gedrückt.

Wir hatten Glück im Unglück und sind mit Schürfwunden, Gehirnerschütterung und zerschlissener Kleidung davongekommen. Selbst der TS 250 war kaum etwas passiert. Ich erinnere mich, wie ich sie trotz Blutung aufhob und selbst beiseite stellte. Seitdem fahre ich vorsichtiger durch Sachsen.

Familie und neue Träume

1993 habe ich meine Maschine verschenkt. Die Zeit des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) war angebrochen und mit den ganzen Umbauten würde das Bike die Abnahme kaum überstehen. Noch dazu kündigte sich unsere Tochter Suse gerade an.

„Ade, Du schöne Bikerzeit, ich habe Dich genossen.“ schoß es mir durch den Kopf, denn ich glaubte, mich von diesem Traum für immer zu verabschieden. So gingen die Jahre ins Land, mein Sohn Hannes erblickte die Welt und wuchs ebenfalls heran.

In 2008 erhielt ich unerwartet, um zwei Ecken herum, ein Angebot für eine Suzuki Bandit 1250. Ohne Verkleidung und mit schwarzem Effektlack erweckte sie vertraute Erinnerungen und mein nie ganz erloschener Traum stand lichterloh erneut in Flammen. Unsere Kinder waren mittlerweile 9 und 15 Jahre alt, die Zeit schien reif. Da auch meine großartige Ehefrau einwilligte, wurde ich erneut Besitzer einer wunderschönen, jetzt sogar 117 PS-starken Maschine.

Mit offenen Augen durch das Leben fahren

Mit Leo, den ich damals nur über Umwege kannte, bin ich inzwischen so manche Tour gefahren, ins Erzgebirge, Elbtal und die fränkische Schweiz. So ist mir Leo zu einem guten Freund geworden und zwischen Ostsee und dem bayrischen Wald sind wir weiter oft gemeinsam unterwegs.

Auch wenn uns das Leben mit einem Sturz oder längeren Pausen manchmal kleine Hürden in den Weg stellt – oft lohnt es, auf der Strecke zu bleiben, denn hinter jeder Kurve mag sich der Blick auf neue Möglichkeiten öffnen. Diese mit ausgebreiteten Armen zu begrüßen und im richtigen Moment zuzugreifen ist die Kunst, um im Leben erfolgreich zu sein.

Dirk Eckart